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von Bürgermeister Uhlenbruch

Bürgermeister informiert KW 34: Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept

Warum entwickelt die Gemeinde Perl ein Hochwasser- und Starkregenkonzept?
Die Gemeinde Perl ist durch die Lage an der Mosel regelmäßig mit Hochwassern konfrontiert. Bürgerinnen und Bürger, die seit Generationen in Perl wohnen, wissen mit solchen Hochwassern umzugehen. Dies äußert sich zum Beispiel auch in den Bauweisen der älteren Wohngebäude im Überschwemmungsgebiet, deren Erdgeschoss oftmals einige Treppenstufen über dem Straßenniveau liegt. Die Keller dienen traditionell als Lagerräume und sind bewusst einfach ausgestattet. Neubürgerinnen und Neubürger sind sich der Hochwassergefahr häufig nicht bewusst. Zu idyllisch zeigt sich die Mosel während des ganzen Jahres, als dass man sich vorstellen kann, welche Gefahren von ihr ausgehen können. Aber auch bei den Alteingesessenen verstellt das Ausbleiben größerer Moselhochwasser in den letzten knapp dreißig Jahren den Blick auf die weiterhin und unvermindert vorhandene Gefahr. Neben der Mosel können auch kleinere Gewässer innerhalb der Gemeinde Perl zu Hochwasser führen, allen voran die Leuk.
Damit sich die Hochwassersituation durch Bautätigkeiten nicht weiter verschlechtert, hat der Gesetzgeber für das Bauen in Überschwemmungsgebieten zwar Vorschriften erlassen. Es obliegt aber den Hausbesitzern, Bauherren und den von Ihnen beauftragten Architekten, diese konsequent umzusetzen und die Gebäude und deren Nutzung im Zuge der Eigenvorsorge konsequent auf mögliche Hochwasser vorzubereiten. Dem stehen oftmals gestalterische oder nutzungsbezogene Anforderungen entgegen. An diesem Punkt zu beraten und Lösungen aufzuzeigen, ist einer der wesentlichen Aufgaben des Vorsorgekonzepts der Gemeinde Perl.


Gefahr Starkregen
Im Gegensatz zum Hochwasser, welches sich in der Regel Tage im Voraus ankündigt und welches sich auf die gewässernahen Bereiche beschränkt, können Starkregen im gesamten Gemeindegebiet innerhalb kürzester Zeit Überschwemmungen verursachen. Regenwasser und Schlamm fließen von Landwirtschafts-, Forstwirtschafts- oder sonstigen Außengebietsflächen ab, sammeln sich entsprechend des Geländereliefs an den Tiefenlinien und ergießen sich als Sturzflut über Gräben und Wege ins Tal. Kleine Entwässerungsgräben, Bäche und Straßen werden zu reißenden Strömen und das mit Schlamm durchmischte Oberflächenwasser überflutet Grundstücke und Gebäude, Straßen und Rettungswege. Bauwerke, technische Anlagen, ideelle und materielle Vermögenswerte werden innerhalb kürzester Zeit zerstört. Da solche Ereignisse selten und meist auch lokal eng begrenzt auftreten, liegen hierzu in Perl nur vereinzelte, aber eindrucksvolle Erfahrungen vor. Die Klimamodelle lassen keinen Zweifel daran, dass sich extreme Wetterereignisse dieser Art in Zukunft häufen und verschärfen werden, so dass jeder, dessen Gebäude sich in exponierter Lage befindet, Vorsorge treffen muss. Die Frage ist, in welchen Ortslagen, in welchen Straßenzügen das Risiko schadbringender Sturzfluten am Größten ist. Dies herauszufinden ist ein weiterer Kernpunkt des Vorsorgekonzepts „Hochwasser und Starkregen“ der Gemeinde Perl. Mithilfe hochaufgelöster Computermodelle wird für verschiedene extreme Starkregenszenarien berechnet, an welchen Stellen Niederschlagswasser zu Überflutungen führt und wie hoch sich das Wasser in diesen Zonen aufstauen kann. Sog. Starkregengefahrenkarten stellen das Risiko im Detail, flächendeckend und parzellenscharf dar. Diese sind auf den Seiten der Gemeinde Perl unter https://geoportal-perl.de öffentlich einsehbar. Neben der Darstellung der Gefahren und der Information der Bürgerinnen und Bürger ist ein wesentliches Ziel des Vorsorgekonzepts Maßnahmen zu entwickeln, mithilfe derer die Entstehung von Sturzfluten nach Möglichkeit verringert wird. Dies umfasst nicht nur Maßnahmen im Siedlungsgebiet, sondern auch Maßnahmen im gesamten, sog. Sturzflutentstehungsgebiet.


Wie ist der aktuelle Stand? Was ist geplant?
Die erste Serie der Bürgerversammlungen ist abgeschlossen. Die von den Bürgerinnen und Bürgern geäußerten Hinweise zu Problemstellen wurden aufgenommen und vom Ingenieurbüro bei der sog. Defizitanalyse berücksichtigt. Auf Grundlage dessen wurde eine Vielzahl von Maßnahmen in den Sturzflutentstehungsgebieten und in den Ortslagen entwickelt. Derzeit werden die Maßnahmen priorisiert, das heißt es wird ein Vergleich angestellt zwischen den jeweils veranschlagten Baukosten und dem hierdurch vermiedenen Schaden. Dies bildet für die Gemeindegremien die Basis für die Festlegung, welche Maßnahmen vorrangig vorangetrieben werden sollen. Nach Vorstellung des Vorsorgekonzepts und der prioritären Maßnahmen im Rahmen der zweiten Serie von Bürgerversammlungen wird die Gemeinde Perl beim saarländischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Anträge auf Förderung dieser Maßnahmen stellen und diese zeitnah umsetzen. Noch in 2021 soll der gesamte Prozess der Beteiligung abgeschlossen und die schriftliche Fassung des Vorsorgekonzepts vorgelegt werden.


Wo kann ich mich informieren und beteiligen?
Allen Bürgerinnen und Bürgern werden auf den Internetseiten der Gemeinde Perl www.perl.saarland verschiedene Ratgeber und Informationsbroschüren empfohlen, in welchen umfangreiche Hilfestellungen gegeben werden. Darüber hinaus bietet unser Geoportal die erstellten Starkregengefahrenkarten zur Einsicht an. Ebenso finden Interessierte hier auch weiterhin die Möglichkeit Problemstellen und Ideen zu melden.

Ralf Uhlenbruch

Ihr Bürgermeister in der Gemeinde Perl

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